Wirbelsäulenchirurgie

Die operative und auch konservative Behandlung degenerativer, traumatischer, entzündlicher und onkologischer Erkrankungen der Wirbelsäule macht den größten Teil unserer täglichen Arbeit aus. Typische Erkrankungen sind Bandscheibenvorfälle, Spinalkanalstenosen, Wirbelfrakturen und Metastasen an der Wirbelsäule.

Es wird das gesamte Spektrum operativer Techniken angeboten. Neben minimal invasiven, dekomprimierenden Verfahren werden je nach Indikation auch komplexe, stabilisierende Eingriffe durch Brust- und Bauchraum durchgeführt.


Degenerative Veränderungen

Die Behandlung von degenerativen Wirbelsäulenerkrankungen macht einen großen Teil unserer täglichen Arbeit aus. Die häufigsten hier zu nennenden Krankheitsbilder sind zum einen der Bandscheibenvorfall, zum anderen die degenerative Spinalkanalstenose.
Bereits im Jugendalter bzw. frühen Erwachsenenalter kommt es zum zunehmenden „Verschleiß“ (Degeneration) der Wirbelsäule. Hierunter versteht man Veränderungen, die sich auf Grund der alltäglichen Belastungen an der Wirbelsäule einstellen. Diese beginnen in der Regel mit einem Flüssigkeitsverlust der Bandscheibe, die mit zunehmendem Lebensalter immer weniger durchblutet wird. Dies führt zu einem Höhenverlust des Zwischenwirbelraums, was wiederum Veränderungen anderer Strukturen der Wirbelsäule nach sich zieht. Es kommt zur Verdickung von Bändern und zur Arthrose der kleinen Wirbelgelenke. All dies kann dazu führen, dass der sogenannte Spinalkanal im Verlauf eingeengt wird. Dieser wird von den insgesamt 24 Wirbelknochen gebildet und verläuft innerhalb der Wirbelsäule. Bis zum ersten Lendenwirbel umschließt er das Rückenmark, danach verlaufen hier die Nervenwurzeln, aus denen sich dann im Verlauf die Nerven der Extremitäten formen. Bei einer Verengung dieses Spinalkanals durch die oben beschriebenen Verschleißerscheinungen spricht man von einer Spinalkanalstenose. Je nach Lokalisation, ob an der Hals - oder an der Lendenwirbelsäule, liegt dann von eine zervikale Spinalkanalstenose bzw. eine lumbale Spinalkanalstenose vor.

Durch die abnehmende Elastizität der Bandscheibe kann es auch zu einem Einriss des harten Faserrings, welcher die Bandscheibe umschließt, kommen. Es kommt dann zu Austritt von Bandscheibengewebe und je nach Lokalisation, kann dieses austretende Gewebe dann neurale Strukturen bedrängen. Man spricht in diesem Fall dann von einem Bandscheibenvorfall. Am häufigsten sind selbige in der Lenden- und Halswirbelsäule lokalisiert, aber auch an der Brustwirbelsäule können solche degenerativen Veränderungen bestehen. Die typischen Symptome sind zum einen Symptome des Wirbelsäulenverschleißes, wie Rücken- bzw. Nackenschmerzen, zum anderen kann es aber auch durch Druck auf Nervenstrukturen zu Schmerzen im Ausbreitungsgebiet der entsprechenden Nervenfasern und je nach Stärke und Dauer der Kompression zu neurologischen Ausfällen, wie Lähmungen oder Gefühlsstörungen kommen.

Lumbaler Bandscheibenvorfall

Lumbale Spinalkanalstenose

Zervikaler Bandscheibenvorfall

Zervikale Spinalkanalstenose

Notfallindikation

Lumbaler Bandscheibenvorfall

lumbNpp2Ein lumbaler Bandscheibenvorfall per se stellt zunächst einmal keine Behandlungsindikation dar, lediglich bei entsprechender Symptomatik muss eine Behandlung erwogen werden. Klassischerweise beginnt ein Bandscheibenvorfall mit akutem Schmerz, welcher entsprechend dem Ausbreitungsgebietes der betroffenen Nervenwurzel ausstrahlt.
Eine initiale Behandlung besteht in der Regel aus Schmerzmedikation und kurzzeitiger körperlicher Schonung. Bei fehlendem Ansprechen auf eine medikamentöse Therapie ist dann in der Regel eine weiterführende Diagnostik notwendig, welche heutzutage als Kernspintomographie durchgeführt wird. Hier können wir genau die betroffene Bandscheibe erkennen und auch die genaue Morphologie des vorgefallenen Bandscheibengewebes. Je nach Beschwerdebild ergibt sich dann die weitere Therapie. lumbNpp1

Liegen „nur Schmerzen" vor, kann über einen Zeitraum von sechs bis acht Wochen mit Schmerzmedikamenten und leichten muskelentspannenden Maßnahmen therapiert werden. Liegen neurologische Defizite in Form, z. B. von Lähmungen vor, dann sollte schon vorher eine Operation empfohlen werden, da bei länger bestehender Lähmung die Rückbildungstendenz eher schlecht ist. Die Operation wird heute in der Regel mikrochirurgisch durchgeführt: Über eine ca. 2 bis 3 cm lange Inzision am Rücken über der entsprechenden Bandscheibe wird in den Wirbelkanal eingegangen und das vorgefallene Bandscheibengewebe entfernt.
Die Komplikationsraten sind heutzutage sehr gering und liegen weit unter 1 %. Das genaue Komplikationsprofil und die Erfolgsaussichten der Operation kann Ihnen der Arzt aber nur in einem persönlichen Gespräch nach eingehender Untersuchung erläutern.

Lumbale Spinalkanalstenose

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Von einer lumbalen Spinalkanalstenose spricht man, wenn degenerative Veränderungen der Wirbelsäule den Spinalkanal derart einengen, dass durch den Druck auf die hier verlaufenden Nervenfasern Symptome entstehen. Diese Symptome äußern sich typischerweise in belastungsabhängigen Rücken-/ Beinschmerzen. Diese Beschwerden nehmen beim Stehen und Laufen zu. Oft ist die Gehstrecke im Verlauf nur noch auf wenige 100 Meter eingeschränkt.
Je nach Ausprägung der Beschwerden und je nach vorliegendem bildgebendem Befund kann nach Ausschöpfen konservativer Maßnahmen eine operative Behandlung angeboten werden. Diese besteht in erster Linie in einer mikrochirurgischen Erweiterung des Spinalkanals, der sogenannten lumbalen Dekompression.

lumbStenose1Bei begleitenden Fehlstellungen der Wirbelsäule oder einem verschleißbedingtem Wirbelgleiten können allerdings auch größere stabilisierende Eingriffe notwendig werden. Das endgültige Ausmaß des operativen Eingriffs kann nur in Zusammenschau von Beschwerden, Untersuchungsbefund und radiologischem Befund festgelegt werden.

Zervikaler Bandscheibenvorfall

cervNPPÄhnlich wie beim lumbalen Bandscheibenvorfall sind hier die Symptome in der Regel zunächst Schmerzen im Ausbreitungsgebiet der entsprechenden Nervenwurzel. Auch hier kann prinzipiell zunächst konservativ mit Schmerzmedikation und Physiotherapie behandelt werden, bei Auftreten von Lähmungen ist aber dann die Prüfung einer OP-Indikation unbedingt inzidiert. Als Besonderheit an der Halswirbelsäule ist die anatomische Nähe zum Rückenmark zu nennen. Hier kann es dann durch Hervortreten von Bandscheibenmaterial auch zur Kompression des Rückenmarks kommen, was dann eine u. U. rasch fortschreitende hohe Querschnittslähmung nach sich zieht. Insofern handelt es sich hier um ein potenziell gefährliches Krankheitsbild, was prinzipiell immer neurochirurgisch mitbeurteilt werden sollte.

Bei einem Bandscheibenvorfall an der Halswirbelsäule gibt es verschiedene OP Techniken, die unter Berücksichtigung vieler Faktoren erst nach Gespräch und Untersuchung individuell festgelegt werden können.

Zervikale Spinalkanalstenose

cervStenoseBei der zervikalen Spinalkanalstenose kommt es durch die Verschleißerscheinungen zur Einengung des Wirbelkanals auf Höhe der Halswirbelsäule. Hier kann es durch die Einengung des Wirbelkanals zur Schädigung nicht nur der abgehenden Nervenwurzeln, sondern auch des Rückenmarks kommen. Die Symptome sind häufig unspezifisch und äußeren sich häufig zunächst in einer vermehrten Unsicherheit beim Laufen.

Schlussendlich kann aber der dauernde Druck auf das Rückenmark in Höhe der Halswirbelsäule eine langsam fortschreitende hohe Querschnittslähmung bedingen. Man spricht hier von einer sogenannten zervikalen Myelopathie. Unabhängig von dieser Symptomatik kann aber auch eine Einengung des Rückenmarkskanals dazu führen, dass ein, wenn auch gering erhöhtes Risiko einer Rückenmarksverletzung bei Halswirbelsäulenbagatelltraumen entsteht. Dies ist bei der Planung der Therapie zu berücksichtigen.

Therapeutisch stehen neben konservativen Maßnahmen, wie Physiotherapie und Schmerzbehandlung in milden Verläufen auch eine Vielzahl operativer Möglichkeiten zur Verfügung. Je nach Ausprägung der Wirbelkanaleinengung und je nach Lage des Hauptbefundes gibt es Operationsverfahren von vorne (ventrale Operationen) sowie Operationsverfahren von hinten (dorsale Operationen). Auch hier kann, ähnlich wie bei der Spinalkanalstenose an der Lendenwirbelsäule das endgültige Vorgehen nur unter Berücksichtigung von Beschwerdebild, klinischem Befund und radiologischem, ggf. auch elektrophysiologischem Befund festgelegt werden.

Notfall

Eine Notfallindikation zur Vorstellung in einer Neurochirurgischen Klinik sind akut auftretende Lähmungen, sowohl an einzelnen Gliedmaßen, aber auch eine akut auftretende Schwäche an Armen und Beinen. Dies kann Symptom z. B. einer Kompression des Rückenmarks auf Höhe der Halswirbelsäule sein.
Ein weiterer Notfall ist das sogenannte Kaudasyndrom. Dies entsteht durch Kompression aller Nervenwurzeln der lumbalen Wirbelsäule. Hierbei treten neben Gefühlsstörungen am Genital bzw. am After dann auch Blasen- und Mastdarmstörungen auf. Bei Auftreten derartiger Symptome durch einen z. B. Bandscheibenvorfall ist eine operative Behandlung innerhalb weniger Stunden indiziert.

Wirbelfrakturen

Wirbelsaeulentrauma1Die Behandlung von Frakturen der Wirbelsäule ist ein häufiges Krankheitsbild in unserer Klinik. Eine generelle Behandlungsstrategie gibt es nicht, dazu ist das Muster an möglichen Brüchen der Wirbelsäule zu unterschiedlich. Viele Faktoren spielen bei der Therapieplanung eine Rolle, wie Lokalisation des Bruches, Ausmaß und Art der Fraktur sowie Zustand des Patienten incl. möglicher neurologischer Defizite. Prinzipiell muss immer die Nähe des Rückenmarks bzw. der austretenden Nervenwurzeln zur Wirbelsäule mit beachtet werden.
Ein nicht unerheblicher Teil der zu behandelnden Frakturen beruht auf einer zugrundeliegenden Osteoporose. Hier werden wiederum andere spezielle Verfahren notwendig.

 

Das Behandlungsspektrum bei Wirbelfrakturen reicht – je nach den o. g. Faktoren – von Beobachtung bzw. regelmäßigen Kontrollen, über minimalinvasive Verfahren, wie z. B. Kyphoplastie bis zu aufwendigen dorsoventralen Stabilisationsoperationen.
Bei Vorliegen neurologischer Defizite bzw. sogar einer Querschnittslähmung ist eine engmaschige und auch frühzeitige Zusammenarbeit mit einem Querschnittszentrum wichtig.

Das genaue Behandlungskonzept bei einem Wirbelbruch kann klinisch unter Berücksichtigung von Unfallmechanismus und Begleiterkrankungen, Untersuchung sowie radiologischem Befund erstellt werden.

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